Naturfotos aus Thailand

EBV I






Einleitung und Inhaltsübersicht


EBV ist in der digitalen Fotografie alles, was nach dem Druck auf den Auslöser der Kamera mit einem Bild geschieht, zunächst in der Kamera selbst, und anschließend dann im Computer. Hier soll ein stimmiger Weg beschrieben werden, um zu optimalen Bildergebnissen zu gelangen. Es geht dabei darum, die Unzulänglichkeiten, mit denen die heutige digitale Fototechnik immernoch behaftet ist, vor allem was Kontrastbewältigung und Schärfe angeht, nachträglich zu korrigieren. Andererseits aber gilt auch: je weniger man an einem Bild 'herumdoktert', desto besser wird die Qualität sein. Also sollte jeder Eingriff sitzen und richtig dosiert sein nach dem bekannten Motto, das ich hier allem voranstellen möchte:


*So wenig wie möglich, so viel wie nötig*


Der Weg, der bis zum fertigen digitalen Bild per EBV zurückzulegen ist, kann in folgende Stationen unterteilt werden:


I. Die Kamera-Einstellungen

II. Die Belichtung auf den Sensor

III. Die Übertragung auf den Computer

IV. Die Bild-Optimierung


Zu Punkt I: Bei den internen Einstellungen der Kamera sollte alles vermieden werden, was über die rein optische Digitalisierung hinausgeht, also: keine zusätzliche Schärfung, keine zusätzliche Erhöhung von Kontrast, Farbsättigung etc. Der Grund: Diese 'Optimierungsmaßnahmen' passen sich nicht an das jeweilige Bild und dessen 'Bedürfnisse' an, sondern werden pauschal auf das ganze Bild und auf alle Bilder gleich angewendet, was in den meisten Fällen irreparable Schäden anrichtet. Beispiel: eine erhöhte Schärfung kann zwar in den scharfen Bereichen eines Bilds Sinn machen, in den unscharfen und aufgelösten Bereichen dagegen greift sie die Bild-Qualität an.


Fazit: am besten alle Einstellungen auf 0!


Gedanken sollte man sich allerdings um die Wahl des Formats und des Farbraums machen. Mehr hierzu in


Kapitel 1: Die Wahl des Formats


und


Kapitel 2: Die Wahl des Farbraums


Punkt II ist der wichtigste und entscheidende Schritt: die hohe Kunst der Fotografie, die in diesem Artikel leider keine Berücksichtigung finden kann und einen eigenständigen Artikel erfordern würde.


Punkt III ist schnell beschrieben und abgehakt, man darf nur eines nicht machen: die Bilder im Computer von der Kamera-Speicherkarte aus öffnen und erneut abspeichern, denn dabei wird ein Jpeg-Original bereits verändert und verliert Qualität, und ein Raw ließe sich ohnehin nur in einem anderen Format abspeichern und ginge dabei gänzlich verloren. Daher: einfach per 'Drag and Drop' herüber kopieren!


Punkt IV: Die Bild-Optimierung nehmen wir in einem geeigneten Bildbearbeitungs-Programm vor. Das bekannteste, umfassendste und meistbenützte Programm hierfür ist der Photoshop von Adobe, daher werde ich die folgenden Angaben auf dieses Programm in der Version 10.0, CS3 extended beziehen. Sie sind aber in den meisten Fällen sicherlich leicht auf die früheren und nachfolgenden Versionen und auf andere Bildbearbeitungsprogramme übertragbar.


Wer auf Raw fotografiert, wie die meisten von uns, für den steht vor der Optimierung in einem Bildbearbeitungs-Programm der Schritt der Raw-Entwicklung und Konvertierung in einem Raw-Konverter. Hierzu mehr in


Kapitel 3: Die Entwicklung im Raw-Konverter


In Kapitel 4 folgt eine Einführung in den Photoshop für Neueinsteiger:


Kapitel 4: Einführung in den Photoshop


bevor die einzelnen Schritte dann in den folgenden Kapiteln genauer beschrieben werden, und sinnvoller Weise auch in dieser Reihenfolge vorgenommen werden sollten, wobei man sich bei den Themen von Kapitel 5-10 in Klammern immer ein *falls nötig* hinzudenken sollte:


Kapitel 5: Die Ausschnitt-Optimierung

Kapitel 6: Stempeleingriffe

Kapitel 7: Auswahlen erstellen

Kapitel 8: Die Entrauschung

Kapitel 9: Tonwert- und Farbkorrekturen

Kapitel 10: Die Nachschärfung

Kapitel 11: Abspeicherung und Web-Präsentation

Schlusswort




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Inhaltsverzeichnis







Kapitel 1: Die Wahl des Formats




Kamera-intern haben wir meist die Alternative, auf Jpeg oder Raw zu fotografieren. Bei der Abspeicherung im Computer kommt dann die Option des Tiff und des PSD hinzu.




Das Jpeg


(so genannt nach dem Gremium Joint Photographic Experts Group, das dieses Format entwickelt hat), ist ein komprimierendes Format, das heißt sein Vorteil liegt in der kleinen Dateigröße. Dies muss aber mit Abstrichen bei der Qualität bezahlt werden. Ein Jpeg komprimiert die Dateigröße, indem es Pixelgruppen zu Blöcken zusammenfasst. In Bildbereichen mit wenig Struktur werden größere, in Bereichen mit vielen Details werden kleinere Blöcke angelegt. Die Informationen der Pixel innerhalb eines Blocks werden auf einen Durchschnittswert zusammengerechnet. Bei höchster Qualitätsstufe, also geringster Komprimierung, ist der Verlust nicht sichtbar, je tiefer man aber mit der Qualität geht, desto deutlicher treten diese Blocks als sogenannte Artefakte hervor. Und: jede neue Abspeicherung in Jpeg bedeutet eine neue Komprimierung. Wer also bearbeiten und neu abspeichern will, sollte dies in Tiff tun, wenn er Qualitätsverluste vermeiden will.



Abb. 1: Beispiel für die Entstehung von Jpeg-Artefakten bei einem auf tiefster Qualitätsstufe abgespeicherten Bild.



Weitere Nachteile bei Jpeg sind die Beschränkung der Farbtiefe auf 8 Bit, 256 Helligkeitsstufen pro Farbkanal, Schwächen bei der Schärfe und ein erhöhtes Rauschverhalten. Darüber hinaus sind die Möglichkeiten von nachträglichen Korrekturen sehr eingeschränkt. Wer also die Option hat, auf Raw zu fotografieren, sollte dies unbedingt dem Jpeg vorziehen.


Fazit: Das Jpeg eignet sich nur für eine platzsparende endgültige Abspeicherung eines Bilds, und ist ein Muss für die Präsentation im Internet.




Das Raw


(vom englischen raw = roh) ist, wie der Name schon sagt, eine Art Roh-Datei, bei dem die digitalisierten Daten der Kamera weitgehend unbearbeitet auf die Speicherkarte geschrieben werden. Jede Kamera-Marke hat ihr eigenes Raw-Format. Um ein Raw lesen und bearbeiten zu können, benötigt man eine spezielle Software, einen Raw-Konverter. Die Datei eines Raw ist um ein Mehrfaches Größer als die eines Jpeg. Die Vorteile aber liegen auf der Hand: eine um ein Vielfaches größere Farbtiefe, bessere Schärfe, weniger Rauschen, und erstaunliche Möglichkeiten der Bearbeitung. So kann der Farbraum nachträglich im Raw-Konverter eingestellt werden, die Vorwahl in der Kamera wird also bedeutungslos. Der Weißabgleich kann nachträglich im Raw-Konverter korrigiert werden. Belichtungsfehler, die bei einem Jpeg irreparabel wären, wie ausgebrannte Lichter oder zugelaufene Schatten, können in einem Raw oft noch behoben werden. Und auch bei der Schärfe ist der Bearbeitungsspielraum gegenüber dem Jpeg ungleich größer.




Das Tiff


(Tagged Image File Format) ist das Format für eine verlustfreie Speicherung und Konservierung eines Bilds. Wer sein Bild verlustfrei vom Raw-Konverter in ein Bildbearbeitungs-Programm transportieren will, muss das Raw als Tiff abspeichern. Wer die anschließende Bild-Optimierung verlustfrei konservieren und sich die Option weiterer nachträglicher Korrekturen offenhalten will, muss sein Bild als Tiff abspeichern. Der Nachteil: Tiff-Dateien sind sehr groß. Eine Alternative ist das Photoshop-eigene PSD (Photoshop Document), das aber ähnlich groß ist.


Fazit:


    In Raw fotografieren

    Im Raw-Konverter als 16 Bit Tiff oder PSD abspeichern und im Bildbearbeitungs-Programm öffnen.

    Die fertige Bearbeitung wieder als 16 Bit Tiff oder PSD abspeichern.

    Gegebenenfalls nach sRGB konvertieren (siehe Zuweisen und Konvertieren), in den 8 Bit Modus wechseln im Menü


    BildModus8-Bit-Kanal


    und eine einmalige Abspeicherung in Jpeg vornehmen.

    Bei Bedarf eine Internet-Version erstellen und diese ebenfalls als Jpeg abspeichern.

     




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Kapitel 2: Die Wahl des Farbraums




In der Digital-Fotografie werden Farben digital, also in Form von Zahlen angezeigt. Ein Farbprofil interpretiert diese Zahlen, ordnet ihnen also bestimmte Farben zu, basierend auf den Farben des gewählten Farbraums. Ein Farbraum ist in diesem Fall eine international verbindliche Normierung, wie digitalisierte Farben dargestellt werden sollen, festgelegt vom International Color Consortium (ICC). Das Problem ist, dass diese Farb-Zuordnung in den verschiedenen Farbräumen unterschiedlich ausfällt, derselbe digitale Farbwert also unterschiedlich dargestellt wird.




Das digitale Farbsystem RGB


Digitalkameras speichern Fotos im RGB-Farbsystem, also in den Grundfarben Rot, Grün und Blau. Dementsprechend kann man die Farbe jedes Pixels mit drei Zahlen ausdrücken, nämlich den Helligkeitswerten dieser drei Farben. Diese Werte gehen jeweils von 0 bis 255 und werden in der Reihenfolge Rot/Grün/Blau angegeben. 0/0/0 ist völliges Schwarz, 255/255/255 ist völliges Weiß, 128/128/128 ist ein mittleres Grau. 255/0/0 ist maximales Rot, 0/255/0 ist maximales Grün, 0/0/255 ist maximales Blau. Bei einer Vermischung mit gleichen Anteilen der beiden anderen Farben sinkt die Sättigung der dominanten Farbe, 200/125/125 z.B. ist ein bestimmtes Rosa.




Farbprofile


Ein Farbprofil hat die Aufgabe, die Farben eines Bilds bei der Übertragung zwischen verschiedenen Geräten und Anwendungen - Kamera - Scanner - Computer/Monitor - Drucker usw. unverändert zu erhalten. Ein Farbprofil beschreibt den gewählten Farbraum, indem es die Zahlen der digitalisierten Farbanzeige in Bezug zu einem 'absoluten', Geräte-unabhängigen Farbraum setzt, der alle für das menschliche Auge sichtbaren Farben enthalten soll: dem Lab-Farbraum. Ein Farbprofil definiert, welche Zahlenkombination welcher Farbe des Lab-Farbraums entsprechen soll, und übersetzt diese Definition dann mit Hilfe einer Farbumrechnungs-Software in die 'Sprache', das heißt in den Farbraum eines anderen Monitors, eines Druckers oder sonstiger Devices, wobei man dann von Geräte-Farbräumen - Farbräume, die sich aus der Summe der darstellbaren Farben eines Geräts ergeben - spricht. Die Abstimmung verschiedener Medien auf eine einheitliche Farbwiedergabe nennt man Farbmanagement. Damit Farbmanagement auch außerhalb unserer privaten und kontrollierbaren Anwendungen funktionieren kann, muss einem Bild bei der Weitergabe das passende Farbprofil beigefügt werden. Damit immer eine genaue Zuordnung zwischen Bild und zugehörigem Profil gewährleistet ist, wird das Profil 'eingebettet', das heißt in den Header der Bilddatei geschrieben. Das bearbeitende Gerät des Empfängers muss dieses Profil 'verstehen', das heißt aus der Bilddatei extrahieren und in den eigenen Farbraum übersetzen können. Ist kein Farbprofil eingebettet, wird das Bild im Profil des empfangenden Geräts, z.B. eines fremden Monitors, dargestellt, was zu einer verfälschten Farbwiedergabe führen kann.


Von den vielen Farbräumen, die bereits 'auf dem Markt' sind, sollen uns hier nur die beiden interessieren, die von den Kameras direkt ausgegeben werden können: sRGB IEC61966-2.1 und Adobe RGB (1998). sRGB ist der Farbraum, der an die Kapazität der meisten Computer- und Monitor-Anwendungen angepasst wurde und auch im Internet für eine gute Farbwiedergabe sorgen soll. Adobe RGB wurde entwickelt, um den CMYK-Farbraum eines Farbdruckers an den RGB-Arbeitsraum von Bildschirmen und anderen Ausgabemedien anzupassen, und ist der größere Farbraum, kann also mehr Farben anzeigen als sRGB.


Beispiel: Der RGB-Wert 255/0/0 ist in beiden Farbräumen das maximale Rot, trotzdem ist das Rot von Adobe RGB ein ganzes Stück kräftiger als das von sRGB. Wenn man das maximale sRGB-Rot 255/0/0 in Adobe RGB konvertiert, bekommt es den Wert 219/0/0. Daraus ersieht man, dass Adobe RGB noch Reserven für kräftigeres Rot hat. Umgekehrt kann das Adobe RGB-Rot 255/0/0 nicht richtig in sRGB konvertiert werden, es liegt außerhalb des sRGB-Farbraums. Im Falle einer Konvertierung werden alle Adobe RGB-Rot-Werte oberhalb von 219 in sRGB zu 255. Abstufungen gehen verloren.


Diesem Problem versucht man mit Hilfe von verschiedenen Konvertierungs-Verfahren beizukommen, den sogenannten Rendering Intents, die man unterPriorität als Option im Konvertierungs-Fenster wählen kann (siehe unten: Zuweisen und Konvertieren). Wählt man z.B. Absolut farbmetrisch, wird bei der Konvertierung von einem größeren in einen kleineren Farbraum der Erhaltung der Farben, die in beiden Farbräumen existieren, Priorität eingeräumt, auf Kosten der Farben, die außerhalb des kleineren Farbraums liegen: diese werden 'gekappt', wie im obigen Beispiel des maximalen Rot. Dieses Verfahren eignet sich für Bilder mit wenig gesättigten Farben. Wählt man Perzeptiv, so wird der Relation der Farben untereinander Priorität eingeräumt, der größere Farbraum wird wie ein Luftballon, aus dem man Luft ablässt, in den kleineren eingepasst, wobei allerdings die Randgebiete, also die hochgesättigten Farben, stärker zusammengestaucht werden als die anderen Bereiche. Dieses Verfahren eignet sich für Bilder mit hoher Farbsättigung.


Aber Achtung: diese Rendering Intents funktionieren nur bei der Konvertierung in Geräte-Farbräume, nicht aber bei der für uns wichtigen Konvertierung von Adobe RGB nach sRGB: die hier angebotene Wahl der Rendering Intents ist bedeutungslos, das Ergebnis in allen Verfahren identisch, wobei das Intent Absolut farbmetrisch angewandt wird.




Anwendung von Farbprofilen


In Photoshop hat man die Möglichkeit, den Farbraum auszuwählen, in dem man die Bilder bearbeiten will. Man tut dies im Menü


BearbeitenFarbeinstellungenArbeitsfarbräumeRGB


In den Farbmanagement-Richtlinien darunter sollte


Eingebettete Profile beibehalten


ausgewählt und alle drei Kästchen darunter mit Häkchen versehen sein. Dies bewirkt, dass Photoshop bei nicht mit dem Arbeitsfarbraum übereinstimmendem oder fehlendem Farbprofil beim Öffnen eines Bilds fragt, wie zu verfahren sei: das eingebettete Farbprofil anstatt des Arbeitsfarbraum- Farbprofils verwenden (in den meisten Fällen zu empfehlen), in das Farbprofil des Arbeitsraums konvertieren, oder das eingebettete Farbprofil verwerfen, was einer Zuweisung in das Profil des Arbeitsfarbraums entspricht (siehe unten: Zuweisen und Konvertieren). Bei fehlendem Farbprofil kann man wählen, welches Profil zugewiesen werden soll.


Empfehlenswert wäre, das Farbprofil des Monitors auf das Farbprofil des PS-Arbeitsfarbraums abzustimmen:


StartSystemsteuerungAnzeigeEinstellungenErweitertFarbmanagement




Zuweisen und Konvertieren


Diese beiden Optionen sorgen immer wieder für Verwirrung. Wir finden sie im Menü


BearbeitenProfil zuweisen


und


BearbeitenIn Profil umwandeln


Ein Profil zuweisen bedeutet: die Bilddatei bleibt unberührt, wird aber vom zugewiesenen Farbraum neu interpretiert: die Farbdarstellung ändert sich. Wird beispielsweise einem sRGB-Bild Adobe RGB zugewiesen, werden die Farben wesentlich gesättigter erscheinen, wird einem Adobe RGB-Bild sRGB zugewiesen, werden die Farben wesentlich flauer erscheinen. Ein Profil zuweisen macht daher nur Sinn, wenn ein Bild kein eingebettetes Farbprofil hat.


In ein Profil konvertieren bedeutet: die Bilddatei wird neu berechnet, damit die Farbdarstellung im neuen Farbraum unverändert bleibt. Bei dieser Option können wir das passende Rendering Intent wählen (mit der oben beschriebenen Einschränkung). Zusätzlich sollteTiefenkompensierung verwenden aktiviert sein, um den Schwarzpunkt (siehe auch Methoden zur Festlegung des Schwarz- und des Weißpunkts) des Quellfarbraums auf den Schwarzpunkt des Zielfarbraums abzustimmen. Dieses Verfahren wenden wir an, wenn ein bestehendes Farbprofil in ein anderes umgewandelt werden soll.


Beispiel: Will man das Endergebnis einer Bildbearbeitung unverändert vom Adobe RGB-Farbraum in den sRGB-Farbraum übertragen, muss man es nach sRGB konvertieren, nicht zuweisen! Unterlässt man die Konvertierung oder weist lediglich sRGB zu, wird das Bild, das in Photoshop noch schön klar und kräftig erschien, im Web plötzlich flau daherkommen. ein Adobe RGB-Bild in der Interpretation von sRGB.




Die Softproof-Option


Im Photoshop-Menü


AnsichtProof einrichten


hast Du die Möglichkeit, Dein Bild in einer simulierten Darstellung des dort ausgewählten Farbraums zu betrachten, eingeschränkt natürlich durch die Darstellungsmöglichkeiten Deines Monitors. Etwas verwirrend ist dabei, dass Adobe RGB und sRGB nicht gleich im Dialog-Fenster aufgelistet erscheinen, sondern sich hinter der ersten Option


Benutzerdefiniert


verbergen. Dort kannst Du dann sowohl die Darstellung als zugewiesenes Profil (RGB Nummern erhalten) als auch als konvertiertes Profil mit den jeweiligen Rendering Intents simulieren. Mit Klicks auf


Farbproof


lässt sich diese Simulation aus- und anstellen. Mit der


Farbumfang-Warnung


darunter kannst Du prüfen, ob, und wenn ja, welche Farben im simulierten Farbraum nicht vorhanden wären und gekappt würden.


Beispiel: wenn Dein Bild ein eingebettetes Adobe-RGB-Profil hat, Du unter


Proof einrichtenBenutzerdefiniertZu simulierendes Gerät


Adobe RGB eingibst, und dann anschließend den


Farbproof


aus und anklickst, wird sich Dein Bild nicht verändern: Adobe RGB wird mit Adobe RGB dargestellt. Stellst Du aber sRGB als zugewiesenes Profil ein (RGB Nummern erhalten), wird Dein Bild bei aktiviertem Farbproof blasser erscheinen: die Darstellung eines Adobe RGB-Profils im sRGB-Farbraum. Hat Dein Bild ein eingebettetes sRGB-Profil, und Du stellst Adobe RGB als zugewiesenes Profil ein, wird Dein Bild bei aktiviertem Farbproof kräftiger und gesättigter erscheinen: die Darstellung eines sRGB-Profils im Adobe RGB-Farbraum. Wählst Du


Monitor RGB


wird Dein Bild so dargestellt, wie es Dein Monitor mit seinem derzeitigen Profil darstellt.




Welchen Farbraum soll ich wählen?


Wem nun der Kopf raucht und nach all dem genauso wenig weiß, welchen Farbraum er wählen soll, zum Schluss kleine Entscheidungshilfen:


Wer in Jpeg fotografiert, sollte auf Grund der auf 8 Bit eingeschränkten Farbtiefe sRGB wählen, und zwar schon in den Kamera-Settings. Wer seine Bilder überwiegend fürs Internet und herkömmliche Computer-Anwendungen, Ausbelichtungs-Dienste, Tintenstrahldrucker usw. bearbeitet, das Problem der Konvertierung vermeiden und sich überhaupt mit dem ganzen Farbmanagement nicht belasten will, sollte sRGB wählen, und zwar einheitlich für Monitor, PS-Arbeitsfarbraum und Bilder. Der Nachteil: in hochwertigen 'Adobe-fähigen' Monitoren und Ausdrucken wird die Sättigung des großen Farbraums nicht voll genutzt.


Wer in Raw fotografiert und seine Bilder für 'Adobe-fähige' Anwendungen bearbeitet, sollte Adobe RGB wählen und kann diese Einstellung nachträglich im Raw-Konverter vornehmen. Wer seine Bilder zusätzlich auch im Web präsentieren möchte, sollte nach der finalen Tiff-Abspeicherung mit eingebettetem Adobe RGB und im 16 Bit-Modus nach sRGB konvertieren und dann in den 8 Bit-Modus wechseln. Der Nachteil: Bei der Umwandlung nach sRGB kann es zu Verlusten in der Abstufung hochgesättigter Farben und zu Farbabrissen durch die Reduzierung der Farbstufen kommen.




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Kapitel 3: Die Entwicklung im Raw-Konverter


Ein Raw-Konverter ist ein Programm, das Raw-Dateien lesen, bearbeiten und in andere Formate konvertieren kann. Man kann davon ausgehen, dass der markeneigene Raw-Konverter jeweils am besten geeignet ist, da er die Kamera mit ihren Settings am besten 'kennt'. Ich selbst arbeite mit dem Photoshop-eigenen Plug-In Camera Raw, ein sehr einfach und übersichtlich gestaltetes Programm, das darüber hinaus den Vorteil hat, dass man die Bilder direkt in Photoshop öffnen kann und nicht erst abspeichern und transportieren muss.


In einem Raw-Konverter kann man alle wichtigen Bild-Optimierungs-Maßnahmen vornehmen, mit einer entscheidenden Einschränkung: man kann nicht selektiv bearbeiten. Daher steht man hier vor demselben Problem, das bereits in der Einleitung in Bezug auf die Kamera-Settings angesprochen wurde. Zwar kann man jedes Bild individuell einstellen, aber immer nur das ganze Bild. Aktiviert man die Schärfung, werden auch alle unscharfen und aufgelösten Bereiche mitgeschärft mit den bekannten Qualitätseinbußen (Rauschen). Aktiviert man die Rausch-Reduzierung, werden auch alle scharfen Bereiche entrauscht mit den bekannten Detail-Verlusten. Außerdem ist diese Konverter-Entrauschung nicht so effektiv wie die eines darauf spezialisierten Entrausch-Programms. Und noch etwas muss man bei der Entrauschung in Betracht ziehen: sie funktioniert besser an 'unbehandelten' Pixeln, sollte also nach Möglichkeit vor den Tonwert- und Kontrast-Korrekturen vorgenommen werden (siehe Der Zeitpunkt der Entrauschung). Daher sollte man sich auch bei diesen Korrekturen im Raw-Konverter so weit wie möglich zurückhalten.


Und hier liegt eine entscheidende Schwäche des Camera Raw-Plug-Ins: seine Default-Einstellungen: Helligkeit +50, Kontrast +25, und bei der Schärfung Stärke 25, Radius 1, Details 25, Farbentrauschung 25. Für die meisten Bilder sind diese Einstellungen völlig überdreht und schränken die Möglichkeiten der Nachbearbeitung, vor allem was Entrauschung und Schärfung betrifft, erheblich ein, und wenn man das nicht weiß, macht man sich damit seine Bilder reihenweise kaputt, ohne es zu merken. Das Aufdrehen der Höhen und Kontraste zerstört in empfindlichen Bereichen die Details und lässt die Tonwerte hart werden. Mit der Pauschalschärfung handelt man sich Säume ein und hebt den 'Rauschpegel' des Bilds erheblich an. Daher ist ein wichtiger Schritt zur besseren Bildqualität eine sinnvolle Default-Einstellung des Raw-Konverters.


Fazit: In einem Raw-Konverter sollte man:


    Den Farbraum wählen

    Die Farbtiefe wählen

    Den Ausschnitt wählen

    Die dpi bzw. ppi-Auflösung wählen

    Den Weißabgleich einstellen ( → Wie Aufnahme ist in den meisten Fällen die richtige Einstellung)

    → Belichtung, → Schwarz, → Helligkeit und → Kontrast so einstellen, dass das Histogramm rechts und links nicht anstößt, das heißt nichts überstrahlt oder zugelaufen ist (unbedingt auch die Beschneidungswarnungen in den Ecken des Histogramms aktivieren!), ansonsten aber so dezent wie möglich halten (siehe auch Histogramm und Info).


Ich habe bei mir die Default-Einstellungen von Camera Raw folgendermaßen geändert:


Unter dem Bild die Grundeinstellungen:


sRGB IEC61966-2.1.; 16 Bit; 3008x2000 (6MB = OriginalGröße); 300ppi


Dann rechts:


    Weißabgleich → Wie Aufnahme

    Schwarz (wie bisher) 5

    Helligkeit +25...

    Alles andere auf 0

    Im Schärfungsfenster alle Schieber links an den Anschlag!


Damit bekommt man ein Bild, in dem man anschließend in Photoshop selektiv und angepasst das Optimale herausholen kann, ohne dass vorher schon X Auto-Programme darin herum gepfuscht haben.



Abb. 2: Beispiel für die Entwicklung eines Problembilds in Camera Raw. Mit den Default-Einstellungen brennen weite Bereiche des Bilds aus. Diese Bereiche werden bei aktivierter Clip-Warnung rot angezeigt.



Abb. 3: Das Bild mit angepassten Einstellungen. Die Clip-Warnungen sind weg, das Histogramm bleibt im Rahmen. Aber die ordentlich belichteten Bereiche kommen zu dunkel. Das gleichen wir anschließend im Photoshop unter Ausschluss der überbelichteten Bereiche aus.



Abb. 4: Das fertige Bild




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Kapitel 4: Einführung in den Photoshop




Dieses Kapitel richtet sich an Neueinsteiger, die vor dem riesigen Photoshop-Programm zunächst mal wie der Ochs vorm Berg stehen... mir selbst ging es nicht anders...;-). Profis dürfen hier müde lächelnd weiterblättern;-). Also, los geht's:




Das Photoshop-Fenster



Abb. 5: Das Photoshop-Fenster



In der obersten waagerechten Zeile sind 10 Menüs aufgereiht (A). Klickt man auf eines, öffnen sich die jeweiligen Optionen in einem neuen Fenster (B).


In der Zeile darunter werden die Optionen für das Werkzeug angezeigt, das gerade benützt wird (C).


Diese Werkzeuge findet man in der Werkzeug-Box am linken Bildrand vertikal angebracht (D). Mit einem Klick auf die beiden winzigen Pfeilchen ganz oben links kann man zwischen einer einspaltigen und einer zweispaltigen Anordnung wählen.


Am rechten Bildrand sind ausgewählte Bedienungsfenster aus dem Menü


Fenster


als Icons ‘angedockt’ (E), die man anklicken und damit öffnen kann (H). Mit Klick auf die beiden kleinen Pfeilchen rechts oben im Eck kann man sie wieder zu einem Icon zurückverwandeln. In Photoshop heißen diese Programme Paletten. Photoshop bietet als Default eine Auswahl geöffneter Paletten an. Mit Klick auf den Arbeitsbereich-Button rechts oben gelangt man zu einer weiteren Auswahl von Paletten-Kombinationen, geeignet für veschiedene Aspekte der Bildbearbeitung.


Will man eine eigene Paletten-Auswahl anlegen, entfernt man zunächst die angebotenen Paletten, indem man den ganzen Block mit gedrückter linker Maustaste am obersten Balken herauszieht und mit Klick auf das Kreuz rechts oben schliesst. Dann öffnet man die gewünschten neuen Paletten im Fenster-Menü, verwandelt sie zu Icons und zieht sie mit gedrückter linker Maustaste rechts an den Rand, bis sie ‘andocken’. Will man sie wieder entfernen, zieht man sie in gleicher Weise heraus und schließt sie per Klick auf das Kreuz rechts oben. Hat man eine passende Auswahl erstellt, kann man sie im Arbeitsbereich-Menü als neuen Arbeitsbereich abspeichern.




Der Bildrahmen


Öffnen wir nun mal ein Bild: erstes Menü


DateiÖffnen


Im Bildrahmen oben rechts gibt es drei Kästchen: ein Strich, ein Rechteck und ein Kreuz (F). Klickt man auf das Rechteck, breitet sich das Bild über das ganze Fenster aus und kann dann nicht mehr bewegt werden. Andere eventuell gleichzeitig geöffnete Bilder verschwinden spurlos... Oben rechts aber findet man wieder die drei Kästchen, nur sind im mittleren statt dem einen Rechteck nun zwei. Klickt man da drauf, erscheint das Bild wieder im beweglichen Rahmen, und auch die anderen Bilder kommen wieder zum Vorschein...


Klickt man auf den Strich links, schnurrt das Bild zu einem Icon zusammen und verkriecht sich am unteren Fensterrand (G). Dort kann es per Klick auf das einfache oder doppelte Rechteck wieder hervorgeholt werden.


Mit einem Klick auf das Kreuz schließt man das Bild.


Mit einem Rechtsklick auf die Hintergrundfarbe im Bildrahmen lässt sich diese zwischen Grau, Schwarz oder einer selbstgewählten Farbe auswählen.




Bildrahmen bewegen


Den Bildrahmen kann man bei gedrückter linker Maustaste am oberen Balken 'packen' und beliebig im Fenster verschieben. Außerdem kann man jede Seite separat verschieben: mit dem Mauszeiger an den Bildrand gehen, bis er sich zu einem Doppelpfeil verwandelt, und mit gedrückter linker Maustaste beliebig verschieben. Geht man in eine Ecke des Rahmens, bis der Cursor zu einem schrägen Doppelpfeil wird, kann man auch dort den Rahmen mit gedrückter linker Maustaste beliebig verziehen.


Hat man mehrere Bilder geöffnet, kann man sie im Menü


FensterAnordnen


Überlappend


Untereinander


oder


Nebeneinander


anordnen.




Ansicht vergrößern und verkleinern


Hierfür klickst Du links in der Werkzeugbox das


Zoom-Tool


an, die Lupe ganz unten. Oben in der Zeile für die Optionen kannst Du nun zwischen einer + und einer - Lupe wählen: bei Klick auf das Bild vergrößert oder verkleinert es sich. Außerdem kannst Du dort mit


Tatsächliche Pixel


Bildschirmgröße bzw. Ganzes Bild


und


Druckformat


die aktuelle Größe, also die 100%-Ansicht des Bilds, eine an den Bildschirm angepasste Ganz-Ansicht und die Größe der Druckversion aufrufen. Dieselben Optionen kannst Du auch über Rechtsklick auf dem Bild anwählen. Und nochmals oben im Menü


Ansicht2.Absatz.


Außerdem kannst Du bei aktiviertem Zoom-Tool und gedrückter linker Maustaste ein beliebiges Rechteck auf Dein Bild ziehen, welches dann als vergrößerter Ausschnitt angezeigt wird.


Wenn Du im Menü


BearbeitenVoreinstellungenAllgemeinMit Bildlaufrad zoomen


aktivierst, kannst Du auch mit dem Mausrädchen das Bild ein- und auszoomen.




Die Werkzeuge in der Werkzeug-Box


Um ein Werkzeug zu benützen, klickst Du auf das entsprechende Kästchen links in der Werkzeug-Box. In manchen Kästchen siehst Du rechts unten einen winzigen Pfeil. Das bedeutet, dass sich in diesem Kästchen noch weitere Werkzeuge befinden. Mit gedrückter linker Maustaste oder mit Rechtsklick kannst Du sie sichtbar machen und per Klick anwählen.


Bei der Einstellung der Optionen oben in der zweiten Zeile ist für die meisten dieser Werkzeuge die Wahl der geeigneten Werkzeugspitze entscheidend und links an erster Stelle aufgeführt, das heißt, wie groß der


Pinsel


und wie hart sein Rand sein soll. Dies kannst Du auch und schneller per Rechtsklick auf dem Bild einstellen.


Rechts in der Optionen-Leiste und im Menü


FensterPinsel


gibt es eine vorgefertigte Auswahl von Werkzeugspitzen, die Du Dir auch rechts im Fenster 'andocken' kannst. Aber einfacher und genauer ist die Wahl per Rechtsklick und von Hand eingestellter Größe und Kantenhärte. Hast Du die passende Werkzeugspitze gewählt, kannst Du nun mit gedrückter linker Maustaste Dein Bild damit bearbeiten.


Im Menü


BearbeitenVoreinstellungenZeigerdarstellung


kannst Du zwischen verschiedenen Mauszeigern wählen.




Die Paletten im Fenster-Menü


Nur von den wichtigsten soll hier die Rede sein, und die würde ich auch rechts im Fenster ‘andocken’ und als persönlichen Arbeitsbereich speichern. Da ist an erster Stelle


Das Protokoll


zu nennen. Dort werden sämtliche Arbeitsschritte aufgezeichnet, die Du an einem Bild vornimmst, und wenn Du mal Mist baust, kannst Du im Protokoll zu jedem beliebigen Stadium Deiner Bearbeitung zurückkehren. Im Menü


BearbeitenVoreinstellungenLeistung


kannst Du einstellen, wie viele Stadien das Protokoll aufzeichnen können soll.


An zweiter Stelle würde ich


Aktionen


platzieren. Hier kannst Du Arbeitsschritte, die oft in gleicher Weise vorkommen, als Aktion abspeichern, die Du dann später mit einem Klick ablaufen lassen kannst.


Beispiel: Auswahl um 3px verkleinern, Auswahlkante 3px weich machen. Das speicherst Du, nachdem Du die Auswahl erstellt hast (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen), folgendermaßen als Aktion ab:


Aktionen öffnen:


Unten auf das zweite Icon von rechts klicken:


Neue Aktion erstellen


In dem kleinen Fenster, das sich dann öffnet, einen Namen für die Aktion eingeben, also z.B. 'Verkleinern 3, Weich 3'. Dann auf


Aufzeichnen


klicken. Jetzt führst Du die Aktion aus, also im Menü


AuswahlAuswahl verändernAuswahl verkleinern


3 Pixel eingeben undOK


Dann Rechtsklick (wenn das Auswahl-Tool aktiviert ist, ansonsten nochmal ins Auswahlmenü und über Auswahl verändern) und die Option


Weiche Kante


anwählen, 3 Pixel eingeben und OK


Jetzt öffnest Du wieder die Aktionen-Palette, wo unten das zweite Icon von links anzeigt, dass Du gerade eine Aktion speicherst. Mit einem Klick auf das erste Icon links beendest Du die Abspeicherung. Die neue Aktion wird nun an letzter Stelle in der Aktionen-Palette angezeigt. Mit gedrückter linker Maustaste kannst Du sie an die Stelle ziehen, an der Du sie haben willst, und von jetzt an mit drei Klicks ausführen:


Aktionen → Aktion 'Verkleinern 3, Weich 3'


anklicken und unten mit Klick auf das 3. Icon von links die Aktion starten.


Tip: Im Schaltflächenmodus (Button Mode) brauchst Du sogar nur zwei Klicks. Diesen Modus findest Du durch Klick auf das Icon rechts oben im Eck der Aktionen-Palette (ein kleiner Pfeil nach unten mit waagerechten Linien daneben). Er befindet sich an erster Stelle in diesem Menü. Mit einem Klick dort verwandeln sich alle Aktionen in direkt anklickbare Buttons.


Wenn Du eine Aktion wieder löschen willst, klickst Du sie an, klickst dann auf das Abfalleimer- Icon unten ganz rechts und dann → OK. Die von Photoshop als Default angebotenen Aktionen habe ich alle gelöscht, weil sie für meinen Bedarf nicht nötig waren.


Bevor wir uns nun ausführlicher mit der an dritter Stelle angedockten Ebenen-Palette befassen, haken wir vorher noch schnell die an 4 und 5 platzierten Bedienungsfenster


Histogramm


und


Info



ab: als H und I oben in Abb.5.) markiert, beide auch im Fenster- Menü zu finden, beide reine Informationshilfen:

Das Histogramm ist eine grafische Darstellung der Pixelverteilung auf einem Bild nach Helligkeit: von links 0 (dunkelster Wert) bis rechts 255 (hellster Wert) (siehe auch Das digitale Farbsystem RGB). Die Höhe des 'Bergs' zeigt die Menge der Pixel in dem betreffenden Helligkeitsbereich an. Klickt man in der Histogramm-Palette rechts oben auf den kleinen Pfeil mit den drei Linien daneben, öffnet sich ein kleines Fenster, in dem man im zweiten Absatz zwischen Kompakte Ansicht - ein einfaches Histogramm im RGB-Modus, also alle drei Farbkanäle vereint - und Alle Kanäle in Ansicht - separate Histogramme für jeden Farbkanal - wählen kann. Stösst der 'Berg' im RGB-Histogramm rechts oder links an den Rand, bedeutet das, im Bild gibt es strukturlose gänzlich weisse (ausgebrannte, ausgefressene, überstrahlte) oder gänzlich schwarze (zugelaufene, abgesoffene) Bereiche, die ausserhalb des verfügbaren Kontrast-Umfangs liegen. Große Leerräume zwischen Berg und Rand signalisieren ein Defizit an dunklen Tonwerten (Tiefen) bzw. an hellen Tonwerten (Lichter), was aber für ein Bild kein Nachteil sein muss.


In der Info-Palette kann man mit Hilfe des Mauszeigers die Farbwerte an jedem beliebigen Punkt eines Bilds ablesen, und zwar sowohl im RGB- als auch im CMYK-System. Ausserdem kann man dort die Größe und Position eines Bild-Ausschnitts ablesen.


Zum Schluss zu der an dritter Stelle platzierten Palette


Ebenen


Man findet sie auch im Menü


Fenster →   Ebenen →


Um diese Option verstehen zu können, hier eine kurze Einführung in die




Ebenen-Technik



Was ist eine Ebene?


Generell ein beliebiges Bild oder auch eine leere Arbeitsfläche, für unseren Bedarf aber meist ein Duplikat des zu bearbeitenden Bilds (oder per Auswahl von Teilen des Bilds), das über das Originalbild (den Hintergrund) gelegt wird.




Wie erstellt man eine Ebene?


Da gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die Ebene durch Kopie und die Ebene durch Duplizieren. Im Menü


EbeneNeuEbene durch Kopie


anklicken - fertig ist die Ebene durch Kopie. Oder


EbeneEbene duplizierenOK


fertig ist die Ebene durch Duplizieren, wobei man dieser vor dem Klick auf OK noch einen Namen geben kann. Wollen wir das ganze Bild als Ebene anlegen, unterscheiden sich die beiden Methoden nicht voneinander. Haben wir aber eine Auswahl erstellt (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen), so wird bei einer Ebene durch Kopie nur das als Ebene angelegt, was sich in der Auswahl befindet, alles andere wird weggelöscht, und die gestrichelte Markierungslinie der Auswahl verschwindet. Bei einer Ebene durch Duplizieren wird das ganze Bild als Ebene angelegt, und die Markierungslinie der Auswahl wird weiter angezeigt. Praktische Bedeutung bekommt dieser Unterschied zum Beispiel bei Programmen wie Topaz DeNoise, die ihren Analysen immer das ganze Bild zugrunde legen, auch wenn die Bearbeitung dann nur auf die Auswahl angewendet wird. Bei einer Ebene durch Kopie steht dann für die Berechnungen nur das zur Verfügung, was in der Auswahl liegt, bei einer Ebene durch Duplizieren steht weiterhin das ganze Bild zur Verfügung, was zu unterschiedlichen Ergebnissen für die Settings führt.



Wozu ist eine Ebene nützlich?


1. Für die Feindosierung von Korrekturen aller Art


Beispiel: Auto-Korrekturen: Im Menü


BildAnpassungen


werden Auto-Tonwert- , Auto-Kontrast- und Auto-Farbkorrekturen angeboten, sehr bequem, aber mit oft völlig überzogenen Ergebnissen (wie man dieses Problem beheben kann, siehe Auto-Korrekturen). Der Ansatz der Auto-Korrekturen ist aber meist richtig. Und diesen richtigen Ansatz kann man mit Hilfe einer Ebene nutzen, und zwar folgendermaßen:


Wir erstellen eine Ebene (siehe Wie erstellt man eine Ebene?).


Wir klicken auf die Auto-Tonwertkorrektur,


BildAnpassungenAuto-Tonwertkorrektur


die nun auf der neuen Ebene ausgeführt wird, und das Bild schreit uns mit katastrophal überzogenen Kontrasten an.


Jetzt kommt die


Ebenen


- Palette aus dem Fenster-Menü (wenn wir sie nicht rechts im Fenster 'angedockt' haben) ins Spiel. Klickt man sie an, wird oben die angelegte Ebene mit der Tonwertkorrektur farbig (dunkelblau) markiert angezeigt. Darunter als Hintergrund das Originalbild. Mit einem Klick auf das Auge links daneben kann man die betreffende Ebene unsichtbar und wieder sichtbar machen, eine schöne Möglichkeit, die Vorher- und Nachher-Ansicht miteinander zu vergleichen. Und wichtig: nur die Ebene, die gerade dunkelblau markiert ist, kann bearbeitet werden!


Rechts oben steht die Deckkraft auf 100%. Mit Klick auf den kleinen Pfeil rechts daneben öffnet sich ein Schieber, mit dem man die Deckkraft der Ebene verstellen kann. Den schieben wir jetzt mit gedrückter linker Maustaste ganz schnell links an den Anschlag, was 0% Deckungskraft bedeutet: die Ebene wird komplett durchsichtig, das Bild sieht wieder aus wie vor der Tonwertkorrektur.


Nun bewegen wir den Schieber in kleinen Schritten wieder nach rechts und beobachten das Bild, wie es sich bei zunehmender Deckkraft der Ebene verändert. Nach Augenmaß können wir nun entscheiden, wie viel von der Auto-Korrektur dem Bild tatsächlich guttut. Haben wir die richtige Dosierung gefunden, gehen wir wieder ins Menü


EbeneSichtbare auf eine Ebene reduzieren


Damit wird die Ebene unter Beibehaltung der dosierten Korrektur mit dem Originalbild 'verschmolzen'.


Dies ist eine hervorragende Methode zur richtigen Dosierung aller möglichen Optimierungs-Maßnahmen, insbesondere auch für die Schärfung.


2. Für den Ausschluss bestimmter Bildbereiche von einer Korrektur


Bleiben wir einmal bei dem Beispiel der Auto-Tonwertkorrektur. Angenommen, alles sieht gut aus, nur ist das Schneeglöckchen jetzt komplett überstrahlt... kein Grund zur Verzweiflung: Da greifen wir in der Werkzeug-Box links zum


Radiergummi


Damit radieren wir einfach die Ebene im Bereich des weißen Glöckchens weg... einfach? Nee, denn jetzt sieht's noch schlimmer aus: dicke dunkle Spuren mit knallharten Rändern hat der Radiergummi zurückgelassen... weil wir vergessen haben, die Optionen oben richtig einzustellen, genauer gesagt die Deckkraft des Radiergummis: je stärker die Tonwertkorrektur war, desto geringer muss man die Deckkraft wählen, damit es keine Spuren gibt (z.B. 20%), und dann lieber mehrmals über die ausgebrannten Stellen radieren, bis alle Strukturen wieder sichtbar sind. Außerdem muss man eine Werkzeugspitze mit sehr weicher Kante wählen. Dann aber ist diese Methode unschlagbar zur Vermeidung von Überstrahlungen und zugelaufenen Schatten bei Kontrasterhöhungen - wenn man ein geschicktes Händchen hat (siehe auch Beispiel einer einfachen Tonwertkorrektur).


In gleicher Weise lässt sich eine Nachschärfung optimieren, die z.B. für weiche Flaumfederchen zu hart ausgefallen ist (siehe auch Wie gehe ich beim Schärfen vor?).


Oder eine Entrauschung, die Details platt gemacht hat (siehe auch Das Problem der Entrauschung).


Oder eine Weichzeichnung, die die Konturen des scharfen Motivs angegriffen hat (in diesem Fall darf bzw. muss der Radiergummi 100% Deckkraft haben! Siehe auch Entrauschung und HG-Weichzeichnung mit dem Gaußschen Weichzeichnungs-Filter).


Und, und, und... vorausgesetzt, man hat den betreffenden Eingriff auf einer Ebene ausgeführt!


3. Für die Erstellung von Kollagen und Montagen aller Art


Mit dem


 Verschieben-Werkzeug


in der Werkzeugbox lässt sich ein Bild bei gedrückter linker Maustaste packen und auf ein gleichzeitig geöffnetes zweites Bild oder auch auf eine neu angelegte Arbeitsfläche


DateiNeu


herüberziehen und wird dort automatisch zu einer Ebene (falls dies nicht funktioniert, vorher eine Ebene erstellen). So kann man eine Kollage aus mehreren Bildern anfertigen, muss dafür lediglich sowohl Arbeitsfläche als auch Bilder in die passenden Größen bringen, und sowohl Farb-Modus als auch Farbtiefe müssen zwischen Leinwand und Bildern übereinstimmen.


In gleicher Weise lassen sich Auswahlen samt Inhalt mit dem Verschieben-Werkzeug auf andere Bilder oder Arbeitsflächen ziehen, Montagen aller Art sind möglich. Natürlich kann man eine Auswahl auch innerhalb desselben Bilds verschieben, sie wird dann aber nicht automatisch zu einer Ebene und reißt ein 'Loch' ins Bild. Per Ebene durch Kopie lässt sich das verhindern. Ein fliegender Vogel beispielsweise kann dann als Duplikat per Auswahl -


EbeneNeuEbene durch Kopie


mit dem Verschieben-Werkzeug beliebig im Himmel verschoben werden. Aber immer dran denken: nur die Ebene, die in der Ebenen-Palette rechts aktiviert, das heißt dunkelblau markiert ist, kann bewegt werden! (Wie man Auswahlen 'ohne Inhalt' als reine Auswahl bewegen kann, siehe Auswahlen verschieben - Auswahlen laden).


Und am Schluss jeder Ebenen-Operation nicht vergessen, die Ebenen wieder zu verschmelzen im Menü


EbeneSichtbare auf eine Ebene reduzieren


es sei denn, man will sie sich für eine spätere Bearbeitung erhalten, was allerdings sehr viel grössere Tiff- beziehungsweise PSD-Dateien benötigt. (Zu diesem Thema bei Interesse im Menü


HilfePhotoshop-HilfeIndex


unter Buchstabe 'S' das Kapitel 'Smart Objekte' studieren).




Kapitelanfang

Inhaltsverzeichnis







Kapitel 5: Die Ausschnitt-Optimierung




Wer auf Raw fotografiert, kann und sollte diesen Schritt schon im Raw-Konverter durchführen, unter anderem deshalb, weil der gewählte Ausschnitt dort zusammen mit den anderen Raw-Einstellungen für jedes Bild in einer XMP-Datei gespeichert werden kann.


Wer auf Jpeg fotografiert, für den sollte die Wahl des Ausschnitts der erste Schritt im Bildbearbeitungs-Programm sein.




Grundsätzliches


Das angestrebte Ziel eines jeden Fotografen sollte sein, den Ausschnitt schon bei der Aufnahme optimal zu wählen, so dass man das Bild danach überhaupt nicht mehr beschneiden muss - das sogenannte Fullframe. Denn ein Beschnitt bedeutet immer auch einen Qualitätsverlust, in dem Moment nämlich, wenn man das beschnittene Bild auf die gleiche Größe wie das Original vergrößern will. Denn nun stehen für die gleiche Bildfläche weniger Pixel zur Verfügung, die Auflösung wird schlechter, und das macht sich bei der Schärfe und der Detailgenauigkeit negativ bemerkbar.


Bei manchen Fotografen spielen hier auch ethische und sportliche Gesichtspunkte eine Rolle. Sie empfinden einen nachträglichen Beschnitt als 'Schummelei', die ein 'echter' Fotograf nicht nötig haben sollte, oder gar die 'Kunst der Fotografie' in Verruf bringen würde. Wer aber weiß, in welch zahllosen Situationen die Wahl eines optimalen Ausschnitts schlicht im Bereich des Unmöglichen liegt (das Motiv zu weit weg, schnelle Action, oder auch andere Formatvorstellungen als 3:2 oder 4:3 usw.), für den müssen diese Gesichtspunkte stark an Gewicht verlieren. Für die technische Bildqualität spielt nur der Gesichtspunkt der Auflösung eine Rolle, für die vielleicht noch wichtigere Qualität der Gestaltung - und um die geht es in diesem Kapitel hauptsächlich - ein optimal gewählter Ausschnitt.


Beispiel: Ein Bild sitzt vom Ausschnitt her - fast - perfekt. Ein minimaler Beschnitt an der linken Seite würde die Bildwirkung aber noch steigern, den Bildaufbau stimmiger machen. Der sportliche Fotograf mit ethischen Grundsätzen würde sich für die Erhaltung des Fullframe entscheiden und nicht beschneiden. Der Fotograf, bei dem das optimale Bildergebnis im Vordergrund steht, würde beschneiden. Und da das optimale Bildergebnis das Thema dieses Leitfadens ist, rate ich zur zweiten Option.


Aber natürlich gibt es Grenzen: wenn der optimale Ausschnitt nur noch 10% der Originalgröße ausmacht, muss man doch irgendwann einsehen, dass das Bild eben nichts taugt und in den Müll gehört. Aus einem Suchbild kann man kein detailliertes und brillantes formatfüllendes Portrait machen.


Bei der Präsentation im Internet wiegt der Qualitätsverlust durch die geringere Auflösung eines beschnittenen Bilds sehr viel weniger, da hier die originale Bildgröße ohnehin stark verkleinert werden muss. Ein Fullframe lässt sich dann oft nicht mehr von einem 50%-Ausschnitt unterscheiden.




Wie beschneidet und dreht man ein Bild?


Im Menü


BildArbeitsfläche


gibt es die Möglichkeit, die Arbeitsfläche eines Bilds (in englisch 'Canvas' = Leinwand) per Eingabe der Kantenlängen zu verkleinern oder zu vergrößern. In einer kleinen Grafik darunter kann man wählen, wie das Bild in der neuen 'Leinwand' platziert sein soll. Man sollte diese Option vornehmlich zur Vergrößerung der 'Leinwand' benutzen, z.B. um bei der Erstellung einer Kollage einen genau bemessenen neuen Platz für ein Bild, einen Schrift-Bereich, oder was auch immer zu schaffen (siehe auch Ebenen-Technik/Kollagen). Unter


BildArbeitsfläche drehen


kann man das Bild als Ganzes in allen Richtungen drehen und spiegeln, z.B. ein Querformat in ein Hochformat. Auch eine genaue Eingabe des Drehungs-Grads ist möglich.


Für das Thema dieses Kapitels arbeiten wir aber, abgesehen von der Wahl Hoch- oder Querformat, nicht mit der Arbeitsfläche. Dafür holen wir uns das


 Freistellungswerkzeug


und ziehen mit gedrückter linker Maustaste das Ausschnitt-Rechteck über das Bild. Dieses Rechteck kann man nun irgendwo innerhalb 'packen' und mit gedrückter Maustaste als Ganzes verschieben. Außerdem lassen sich alle 4 Seiten und Ecken einzeln verschieben (siehe auch Bildrahmen bewegen). Geht man mit dem Mauszeiger irgendwo außerhalb des Rechtecks, bis er sich in einen gekrümmten Doppelpfeil verwandelt, lässt sich das Rechteck mit gedrückter Maustaste zusätzlich frei drehen. Haben wir den optimalen Ausschnitt gefunden, klicken wir rechts und wählen


Freistellen


fertig.




Beschneiden und Skalieren


In der Optionenleiste des Freistellungswerkzeugs finden wir die Möglichkeit, durch Eingabe der Breite, Höhe und Auflösung die Abmessungen des beschnittenen Bilds zu bestimmen. Welche Einheit dabei verwendet wird, hängt davon ab, welche Einheit bei den Linealen eingestellt ist, die wir im Menü Ansicht finden und durch Klick sichtbar machen können. Mit einem Rechtsklick auf dem Lineal öffnen sich die verfügbaren Einheiten, von denen für uns wohl nur Pixel (px) oder Zentimeter (cm) von Interesse sind. Man kann die Einheit aber auch durch Eintippen von px oder cm hinter dem Wert für Breite und Höhe bestimmen, ohne die Einstellung der Lineale ändern zu müssen.


Geben wir die Werte in px an, ohne einen Wert für die Auflösung einzugeben, wird die ursprüngliche Auflösung des Bilds übernommen. Die neuen cm-Abmessungen werden auf der Grundlage der alten oder gegebenenfalls neu eingegebenen Auflösung von Photoshop automatisch errechnet.


Geben wir die Werte in cm an, ohne einen Wert für die Auflösung einzugeben, werden die ursprünglichen Pixel erhalten und die Auflösung automatisch angepasst. Diese Option ist hilfreich, wenn man zum Beispiel festlegen will, daß das beschnittene Bild ein Seitenverhältnis von 3:2 haben soll, ohne die ursprüngliche Pixelgröße zu verändern. Dann geben wir einfach bei Breite 3cm und bei Höhe 2cm ein. Beschneiden wir damit ein Bild von 4500px Breite und einer Auflösung von 300dpi auf zwei Drittel seiner Breite, wird es 3000px breit und 2000px hoch werden und eine Auflösung von 2540dpi haben.


Für die Erstellung einer Druckversion geben wir die Werte in cm und die gewünschte Auflösung, zum Beispiel 300dpi, ein. Dann werden die Pixelabmessungen dementsprechend neu berechnet (siehe auch Die Auflösung).


Mit einem Klick auf Vorderes Bild bewirken wir, daß das beschnittene Bild dieselben Maße wie das Ursprungsbild erhält. Mit einem Klick auf Löschen bewirken wir, daß sämtliche Eingaben entfernt werden.




Wann sollte man beschneiden?


    1. Wenn das Bild schief sitzt.

    2. Wenn das Motiv zu klein abgebildet ist.

    3. Wenn das Motiv nicht stimmig im Bild sitzt.

    4. Wenn die Balance des Bildaufbaus nicht stimmt.

    5. Wenn man störende oder angeschnittene Elemente entfernen will.


Zu Punkt 1:



Ein Bild gerade richten:


Wenn z.B. der Horizont schief sitzt, ziehen wir die obere Kante des Ausschnitt-Rechtecks dicht darüber und drehen das Rechteck wie oben beschrieben, bis die Kante parallel zum Horizont verläuft. Dann ziehen wir das Rechteck wieder in die gewünschte Position auseinander.


Bei Bildern mit Wasserspiegelung ist eine genaue Ausrichtung besonders wichtig und mit Hilfe der Spiegelung auch besonders präzise durchführbar. Beispiel: ein Stelzenläufer watet mit perfekter Spiegelung im flachen Wasser. Nun ziehen wir eine der vertikalen Kanten an die Schnabelspitze und drehen das Rechteck, bis auch die Schnabelspitze der Spiegelung in gleicher Weise an der Kante anliegt. Dann ziehen wir das Rechteck wieder in die gewünschte Position auseinander.



Abb. 6: Beispiel für ein völlig verdrehtes, aber noch zu rettendes Bild. Der weiße Flügelansatz, der auch in der Spiegelung zu sehen ist, bietet hier eine gute Orientierungshilfe bei der Ausrichtung des Ausschnitts.


Punkt 2. ist eigentlich selbsterklärend. Man frage sich beim Betrachten eines Bilds immer auch, ob ein engerer Beschnitt die Bildaussage noch verstärken würde.


Zu Punkt 3.: Die stimmige Platzierung des Motivs ist abhängig von der Richtung der verschiedenen 'Energieströme' in einem Bild. Das können grafische Linien sein, die Blick- und die Bewegungsrichtung eines Tiers, die 'Blickrichtung' einer Pflanze usw. Schräge oder diagonale Linienführung wirkt oft lebendiger als horizontale bzw. vertikale Linienführung. In Bewegungs- und Blickrichtung braucht die 'Bildenergie' mehr Platz als in der Gegenrichtung, weswegen eine mittige Platzierung von Pflanzen und Tieren oft weniger lebendig oder langweiliger wirkt als eine stimmige asymmetrische Platzierung. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel, z.B. ein frontal in die Kamera gerichteter Blick, der mittig platziert noch an Intensität gewinnt.


Zu Punkt 4: Es gibt viele Aspekte der Balance in einem Bild. In Punkt 3 ging es eigentlich bereits um einen solchen Aspekt: die Balance der 'Energie'. Bei Landschaften geht es unter anderem um die Balance zwischen Himmel und Erde. Dem interessanteren Bereich sollte man den Vorzug, also mehr Platz geben, ein mittig platzierter Horizont wirkt meist starr. Dann die Balance zwischen Rechts und Links. Beispiel: rechts im Bild tummeln sich Schmetterlinge in einem Blütenmeer, links ist die ganze Bildhälfte lediglich grün aufgelöster Hintergrund, den man dann vermutlich besser beschneiden würde. Die Balance zwischen Vordergrund und Hintergrund ist in ähnlicher Weise zu prüfen. Ganz allgemein geht es um die Frage, ob sich die Elemente eines Bilds in einem harmonischen Gleichgewicht befinden. Ob sie das tun, sagt uns unser Empfinden, unser 'Gleichgewichts-Sinn'. Und dass der von Person zu Person verschieden ist, ist klar ('Geschmacksache'). Trotzdem gibt es objektive Kriterien für die 'Stimmigkeit' eines Bildaufbaus.


Punkt 5. ist selbsterklärend.


Fazit: Das Fullframe ist der Idealfall, der nachträgliche Ausschnitt aber ein legitimes Gestaltungsmittel. Man sollte den Ausschnitt lediglich in der Beschreibung angeben.




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Kapitel 6: Stempeleingriffe





Die Funktion des Stempels und wie man ihn anwendet


Mit dem


 Kopierstempel


in der Werkzeug-Box kann man Bereiche aus einem Bild an einer anderen Stelle desselben Bilds oder auch in ein gleichzeitig geöffnetes zweites Bild nachkopieren, und zwar so:


    1. Den Kopierstempel anklicken.

    2. Mit dem Mauszeiger an die Stelle im Bild fahren, die man kopieren will, und bei gedrückter 'Alt'-Taste links klicken. Damit hat man die 'Source' gewählt, also den Bereich, der kopiert werden soll.

    3. Nun mit dem Mauszeiger an die Stelle im selben oder in einem gleichzeitig geöffneten zweiten Bild fahren, auf die der in Schritt 2 ausgewählte Punkt/Bereich kopiert werden soll, und Linksklick (für eine punktuelle Kopie) bzw. mit gedrückter linker Maustaste 'malen'.


Bei den Optionen oben finden wir von links:


Pinsel


Die Wahl (Größe und Kantenhärte) der Werkzeugspitze, (schneller per Rechtsklick auf dem Bild erreichbar...). Dann


Modus


Eine Auswahl trickreicher Funktionen, von denen für uns hier aber nur die erste Option Normal von Interesse sein soll.


Deckkraft


und


Fluss


sind wichtige Optionen zur Dosierung. In der Default-Einstellung stehen beide auf 100%, das heißt es wird sofort beim ersten Klick mit voller Deckkraft kopiert. Mit der Deckkraft kann man selbige verringern, mit dem Fluss kann man einstellen, ob diese Deckkraft sofort oder erst bei mehrmaligem Überfahren erreicht werden soll. Aktiviert man den Airbrush rechts daneben, erhöht sich die Deckkraft im Tempo des eingestellten Fluss bei gedrückter linker Maustaste auch bei unbewegter Werkzeugspitze bis auf den unter Deckkraft eingestellten Wert. Wem das alles zu kompliziert ist, dem empfehle ich, den Fluss auf 100% zu lassen, den Airbrush nicht zu aktivieren und nur über Deckkraft zu dosieren, das funktioniert auch.


Rechts neben dem Airbrush kann man in einem Kästchen die Option


Ausgerichtet


aktivieren bzw. deaktivieren. Ein dort gesetztes Häkchen bewirkt, dass der als 'Source' gewählte Punkt fest mit dem Kopierpunkt verankert wird, also immer in gleichem Abstand und gleichem Winkel mitläuft. Entfernt man das Häkchen per Klick, springt der 'Source'-Punkt an die ursprünglich gewählte Stelle zurück, sobald man die Maustaste loslässt.


Rechts daneben geht es um die Wahl der Ebene für den Stempeleingriff (falls eine solche erstellt wurde), und nochmals um eine Auswahl vorgefertigter Werkzeugspitzen.




Was kann man mit dem Stempel machen?


Grundsätzlich zweierlei:



Störende Bildelemente entfernen


Dabei kann es um Sensorflecken im Himmel gehen, die man einfach durch Überkopieren der gleichen Himmelsfarbe entfernt, oder um Dreck und Staub in Scans aller Art, den man in gleicher Weise durch Überkopieren mit passenden Farben beseitigen kann. Auch Säume aller Art, besonders Farbsäume durch chromatische Aberration, können bei stark vergrößerter Ansicht (200-500%) und sehr kleiner Werkzeugspitze (1-5px) überstempelt werden.


Tip: Statt dem Stempel kann man hierfür auch den


 Schwamm


im Modus Sättigung verringern und bei 100% Fluss verwenden, das geht etwas einfacher, wenn auch vielleicht nicht ganz so sauber.


Ein störend ins Bild spickelnder Zweig, ein angeschnittener Vogel am Rand eines Schwarms, ein direkt durchs Auge des seltenen Tieres laufender Grashalm, Telegrafenmasten, Stromleitungen, Zäune... usw., all das kann mit dem Stempel entfernt werden, vorausgesetzt, man kann mit ihm umgehen, das heißt, der Störfaktor verschwindet spurlos!



Abb. 7: Beispiel für eine schwierige Stempelarbeit zur Entfernung störender Bildelemente.
Oben: so kam das Bild aus dem Raw-Konverter. Unten: nach dem Stempeleingriff.



Fehlende Bildbereiche hinzufügen


Beispiel: Ein herrlich scharfes Flugfoto einer seltenen Vogelart, aber welch ein Pech: der Vogel fliegt links an den Bildrand, hat also in Flugrichtung noch 2cm Platz. Da greifen wir zunächst zum


 Freistellungswerkzeug


(siehe Kapitel 5: Die Ausschnitt-Optimierung), mit dem man nämlich nicht nur beschneiden, sondern auch vergrößern kann, ziehen die linke Seite des Rechtecks soweit nach links über das Bild hinaus, bis der Vogel vorne genug Platz hat, und beschneiden zum Ausgleich hinten, wo zu viel Platz war. Den neu geschaffenen leeren Bildbereich stempeln wir dann mit der Himmelsfarbe zu.


Oder schlimmer noch: eine Flügelspitze des seltenen Vogels ist angeschnitten...! Da vergrößern wir wie oben beschrieben zunächst den Bildausschnitt, bis der Flügel ganz ins Bild passt, ergänzen wie oben im neuen Bildbereich den Himmel, und müssen dann mit viel Geschick die fehlende Flügelspitze mit dem Stempel dazu kopieren, wobei wir als Source ähnliche Federn des Vogels oder eventuell auch ein zweites Bild, auf dem die Flügelspitze zu sehen ist, verwenden können, wobei wir allerdings sowohl die Größe der Source genau an die zu erstellende Kopie anpassen müssen - im Menü


BildBildgröße


- als auch die perspektivische Verzerrung, und zwar folgendermassen:


    Die fertig kopierte Flügelspitze in eine Auswahl bringen (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen).


    Im Menü


    BearbeitenTransformieren


    oder


    BearbeitenFrei transformieren plus Rechtsklick


    mit den Optionen


    Drehen


    Perspektivisch


    und


    Verkrümmen


    die Perspektive anpassen (auch per Rechtsklick auf dem Bild →


    Frei transformieren


    und nochmaligem Rechtsklick zu erreichen, allerdings nicht beim Zauberstab).


    Die fertig transformierte Auswahl am Schluss per Druck auf die 'Enter'-Taste erstellen.


Auch ein am Boden sitzendes Tier kann mit der Schnauze an den Bildrand stoßen. Auch dann ist ein Ansetzen des fehlenden Platzes wie oben beschrieben möglich, nur wesentlich schwieriger und aufwändiger, da man die Bodenstrukuren - Gräser, Steine usw. - mit dem Stempel nahtlos in den neuen Bildbereich fortführen muss.



Abb. 8: Beispiel für die Montage abgeschnittener Körperteile per Stempel: Links das ungeschärfte Original, rechts das fertige Bild. Da kein weiteres Quellbild zur Verfügung stand, musste ich die fehlenden Bereiche aus dem vorhandenen Material des Originals dazu'malen'. (Die Aufnahme stammt von Andreas Lettow).



Tip: Von einer aufwändigen Stempelarbeit sollte man vor der weiteren Bearbeitung eine Sicherheitskopie als Tiff anlegen, ein 'Stempel-Original' sozusagen, auf das man zurückgreifen kann, wenn man beim Entrauschen, den Tonwerten oder der Schärfung später Mist baut.




Gutes und schlechtes Stempeln


Kurz auf einen Nenner gebracht: Gutes Stempeln sieht man nicht...


Um dies zu erreichen, braucht man ein gutes Auge und malerisches Talent: um die richtigen Bereiche als Source auszuwählen. Um Unregelmäßigkeiten z.B. im Schärfegrad von angesetzten Konturfortsetzungen zu erkennen. Um sichtbare Duplikate zu vermeiden. Und eine genaue Vorstellung von der Beschaffenheit der Bereiche, die man hinzufügen möchte: wie hätten sie direkt fotografiert ausgesehen?


Und man braucht Geschicklichkeit: Im Umgang mit der Maus: man sollte an einer glatten Kante ruhig und ohne zittrige Krakler entlangfahren können. In der Wahl der passenden Werkzeugspitze: sowohl eine zu harte als auch eine zu weiche Kante kann Spuren hinterlassen. Ebenso kann eine zu klein gewählte Größe der Werkzeugspitze bei großflächigen Bereichen oder eine zu groß gewählte Größe in Mikrobereichen Spuren hinterlassen. In der Wahl der passenden Deckkraft: je transparenter und zarter der Bereich ist, in den man eingreifen will, desto geringer muss die Deckkraft sein, bis hin zu 10% und weniger. Stempeln ist eine Kunst... aber auch eine




Gewissensfrage


Noch weit mehr als dem nachträglichen Beschneiden eines Bilds haftet dem Eingriff mit dem Stempel der 'Ruch' von Betrug und Fälschung an, und dies, in aller Offenheit sei's gesagt, berechtigter Weise! Denn was ich mit dem Stempel verschwinden lasse oder hinzufüge, ist nicht mehr die ursprünglich von außen auf dem Sensor empfangene Information... Ein Sensorfleck ist dies allerdings ebenso wenig... Und ein vorort entfernter Zweig, womöglich unter Zuhilfenahme eines Messers, ist ebenfalls ein Eingriff in die ursprüngliche Information, der darüber hinaus mehr Schaden anrichtet, als wenn man den Zweig später mit dem Stempel entfernt...


Die Gewissensfrage lautet: ein optimales Bildergebnis auf Kosten von dokumentarischer Glaubwürdigkeit? Wer hier offen mit 'Ja' bekennt, und seinen Stempeleingriff ebenfalls offen angibt, liegt meiner Ansicht nach genauso richtig wie der, der Stempeleingriffe prinzipiell als verfälschend ablehnt oder auf die Entfernung von Sensorflecken beschränkt. Falsch liegt nur der, der ein gestempeltes Bild als dokumentarisch deklariert und den Stempeleingriff verschweigt. Dieser Weg führt über kurz oder lang zum Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit...


Fazit: Stempeleingriffe nach Möglichkeit sein lassen. Wer dennoch einen ganz besonderen Moment in einem verunglückten Foto per Stempel retten will, nach dem wehmütigen Motto: '...so schön hätte es werden können...!', der soll dies tun und den Eingriff angeben, und alles ist in Ordnung.




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